Kulturberichte

Informationen zur Haltung fleischfressender Pflanzen finden sich im Internet und auch in Büchern eigentlich genügend. Außerdem gilt wohl auch hier die Regel, daß man zehn Antworten bekommt, wenn man fünf Züchter befragt... Ich möchte hier daher auch keine allgemeingültigen Vorschriften aufstellen, sondern einfach meine Erfahrungen mit den einzelnen Arten schildern.

der Zwergkrug Cephalotus follicularis

Meine Zwergkrüge (zwei sind es, seit mir beim Umtopfen das Rhizom zerbrochen ist) wachsen in einer Weißtorf-Perlit-Mischung im Verhältnis 2:1. Sie stehen dabei im Moment noch bei den Nepenthes im Terrarium unter einer 150W-HQI-Lampe. Die dortige Luftfeuchtigkeit liegt im Durchschnitt bei 80%, die Temperatur bei rund 25C. Gegossen wird mit destilliertem Wasser vom Baumarkt.
Im Gegensatz zu ihrer oft beschriebenen Empfindlichkeit sind meine Pflanzen verblüffend hart im Nehmen. So haben sie (im Sommer im Gewächshaus) Temperaturen von rund 40C und eine mehrwöchige Anstaubewässerung (ich wußte es damals nicht besser) problemlos überstanden - was allerdings kein Aufruf zur Nachahmung sein soll.
Ein Versuch mit Milchdüngung brachte ein merkwürdiges Ergebnis: Obwohl ich nur in jeweils zwei Kannen je einen Tropfen Milch getan hatte, reagierten die Pflanzen mit dem Absterben aller Kannen - dafür begann eine rapide Bildung normaler Laubblätter. Ich vermute nun, daß durch das überhöhte Nährstoffangebot die Pflanze einstweilen nicht auf den Insektenfang angewiesen ist und sich dem Wachstum widmet. Leider habe ich beide Pflanzen gedüngt, so daß ich keine Vergleichsmöglichkeit habe.

Nachtrag 18.11.2002
Da ich schon länger die Vermehrung von Cephalotus über Blattstecklinge ausprobieren wollte, kamen mit die zusätzlichen Laubblätter gerade recht. Ich habe also sechs Blätter abgetrennt und sie (nach einer Behandlung mit "Rhizopon B") in ein Torf-Sand-Substrat gesteckt. Das Ergebnis war (nach einigen Monaten) recht beachtlich: von den sechs Blättern hatten vier Wurzeln gebildet und trieben bereits aus. Bei der nächsten Vermehrungsreihe werde ich in der Rubrik Versuche ausfühlich darüber berichten.

der Alice-Sonnentau Drosera aliciae

Mit diesen Pflanzen hat bei mir eigentlich alles angefangen. Ursprünglich zur Schädlingsbekämpfung im Gewächshaus angeschafft, wurden sie in dieser Funktion durch Dr. capensis abgelöst, da dieser doch etwas "fängiger" ist. So habe ich sie vorläufig mit im Nepenthes-Terrarium einquartiert. Substrat ist ebenfalls eine Torf-Perlit-Mischung 2:1, gegossen wird regelmäßig, jedoch nicht im Anstau. Diese Bedingungen scheinen den Pflanzen zuzusagen, sie wachsen ordentlich und entwickeln unablässig Blütentriebe. Diese entferne ich allerdings, da ich keinen Wert auf Sämlinge im Terrarium lege.

der Kap-Sonnentau Drosera capensis

Um welche Unterart es sich bei meinen Pflanzen konkret handelt, kann ich nicht sagen. Ich habe sie damals als grünen Filz auf einem Baumarkt erstanden. Und seitdem tun sie das, was Dr. capensis eben so tut: wuchern ohne Pause. Die Pflanzen stehen auf einer Fensterbank (Nordseite!) in meiner Standart-Torf-Perlit-Mischung, allerdings halte ich sie nicht im Anstau, was sie jedoch nicht im geringsten stört.
Überzählige Pflanzen werden regelmäßig in der Bekanntschaft verteilt, außerdem will ich im Sommer wieder einige Töpfe ins Gewächshaus stellen, um das Ungeziefer etwas zu reduzieren. Die dortigen Temperaturen von bis zu 40C waren im letzten Sommer kein Problem.

die Kannenpflanze Nepenthes maxima

Diese Pflanze ist im Moment mein Sorgenkind. Nicht, weil sie besonders heikel in der Pflege ist, sondern weil sie ihrem Namen langsam Ehre macht: sie benötigt mittlerweile fast einen Quadratmeter Stellfläche. Eben ein klassischer Fall von "Erst gekauft, dann nachgedacht."
Die Pflanze wächst in einer Blumenampel in meinem Arbeitszimmer und bekommt ihr Licht mit von der HQI-Leuchte. Die Lichtmenge scheint dabei mehr als ausreichend zu sein, da sich die Laubblätter rot gefärbt haben. Als Substrat dient eine Mischung aus Orchideenerde, Perlit und Vermiculit im Verhältnis 3:1:1, zur Vermeidung von Staunässe befindet sich unter dem Substrat eine 5 cm hohe Schicht aus Blähton. Im Gegensatz zu meinen Befürchtungen hat sich die Pflanze an die doch relativ niedrige Luftfeuchtigkeit im Zimmer angepaßt - auch ohne tägliches Besprühen werden fleißig Kannen gebildet. Außerdem sind die Blätter mit einer dünnen, wachsartigen Schicht überzogen, die bei den anderen Nepenthes im Terrarium nicht vorhanden ist. Möglicherweise handelt es sich dabei um einen zusätzlichen Schutz gegen Verdunstung.

Nachtrag 04.03.2002
Ein Steckling der Pflanze befindet sich mit im Nepenthes-Terrarium, er ist mittlerweile voll bewurzelt und bildet erste Kannen.

Nachtrag 18.11.2002
Da bei der Mutterpflanze nun scheinbar "der Knoten geplatzt" und sie nach Monaten rasanten Wachstums an der Decke angekommen war, mußte ich sie nun leider in Triebstecklinge aufteilen.