Jessy, die "Asylantin"

Ja, wo fange ich hier am besten an? Zur Vorgeschichte gehört wohl, daß wir hier regelmäßig ein paar Streunermiezen mit durchfüttern. Dazu gehört unter anderem "Stummel", eine (leider noch nicht kastrierte) Katze, die durch irgendwelche Umstände den Großteil ihres Schwanzes verloren hat. Und besagte "Stummel" fauchte mich im Spätsommer letzten Jahres plötzlich ganz empört an, als ich hinterm Haus etwas suchte. Seltsam - normalerweise war sie doch so scheu, daß sie sogar die Fütterung in sicherer Entfernung abwartete... Des Rätsels Lösung waren ein paar(?) Katzenbabys in der Kiste hinter ihr. Wie viele es waren, wollte ich lieber nicht herausfinden - Mama schien es ernst zu meinen. Und am nächsten Tag war die ganze Familie in ein vermutlich ruhigeres Quartier umgezogen.

Damit war die Geschichte erstmal vergessen. Bis dann im Spätherbst "Stummel" wieder im Garten auftauchte - mit einem kleinen grauen Fellknäuel im Gefolge. Ob letzteres nun ein Einzelkind war oder seine Geschwister irgendjemanden oder -etwas zum Opfer gefallen sind, habe ich nie herausgefunden.

Selbiges Fellknäuel war vom ersten Tage an bei weitem zutraulicher als seine Mutter, die es argwöhnisch bewachte. Jeder Annäherungsversuch unsererseits wurde mit einem energischen Fauchen abgewiesen. Das Kleine zeigte sich da bedeutend weniger beeindruckt und lernte sehr schnell, daß diese komischen Zweibeiner nicht Ärger, sondern Futter bedeuten. Und irgendwann wurden wir dann jedes Mal lautstark begrüßt.
Noch war das Kleine einfach nur eine weitere Streunerin, über einen Namen hatte zu dem Zeitpunkt noch niemand nachgedacht. Und auch nicht darüber, daß das Fellknäuel eines Tages wimmernd auf dem Fensterbrett auftauchen könnte...

Und da war sie nun, wobei sich anfangs Angst und Hunger mehr oder weniger die Waage hielten. Irgendwann war es ihr draußen scheinbar zu kalt und sie wollte mit herein.

to be continued...