Seine Hoheit Maxl

Ich hoffe ja, daß er es nie erfährt - aber eigentlich sollte Maxl nicht bei uns bleiben. Wir hatten damals gezögert, Minka sofort zu kastrieren, da Bekannte Interesse an kleinen Kätzchen gezeigt hatten. Natürlich hätte man es besser wissen sollen, aber... Jedenfalls kam es, wie es kommen mußte: der Nachwuchs war da, das Interesse nicht mehr. Also blieb der kleine Kerl auch noch bei uns - und wurde sofort von allen Seiten verwöhnt. Was er natürlich schnell auszunutzen lernte...

Vom Charakter her ist er der totale Gegensatz zu Minka - um ihn mal aus der Ruhe zu bringen, muß man sich richtig Mühe geben. Sein Tagesablauf läßt sich eigentlich problemlos mit "fressen - schlafen - fressen" beschreiben, eigentlich würde "Garfield" als Name viel besser passen. Oder "Obelix" - er ist zwar nicht extrem dick, aber doch ziemlich gedrungen gebaut. Wobei das "gedrungen" hier relativ zu sehen ist, für einen normalen "Feld- und Wiesenkater" ist er andererseits ziemlich groß geraten. Seine Mutter hat er jedenfalls schon nach kurzer Zeit überholt - heute könnte man Minka im Größenvergleich problemlos für seine halbwüchsige Tochter halten...

Sein Handycap ist sein gegen null tendierender Selbsterhaltungstrieb. Hunde, Autos, fremde Leute - es ist ihm alles egal. Gewöhnlich wird gar nicht erst reagiert: ein Bauer aus der Nachbarschaft "durfte" mal mit seinem Traktor anhalten und Maxl vom Weg tragen, da er absolut keine Anstalten machte, seinen Schönheitsschlaf wegen so einer Lappalie zu unterbrechen. Bei Hunden sieht es ähnlich aus: die werden (unabhängig von Größe und Temperament) mal von allen Seiten untersucht, und dann geht er wieder seiner Wege. Seltsamerweise hat ihm auch noch nie ein Hund etwas getan - vermutlich wissen diese einfach nicht, was sie von ihm halten sollen...
Lange Rede, kurzer Sinn: wenn wir nicht weit entfernt von jeder Straße wohnen würden, hätte Maxl als Freigänger wohl schon frühzeitig ein trauriges Ende gefunden.

Was er nie richtig gelernt hat, ist das Jagen. Keine Ahnung, wieso - schließlich ist seine Mutter eine überaus erfolgreiche Jägerin, und sein Spieltrieb war in seiner Jugend durchaus gut entwickelt. Aber nein, er stellt sich auf der Pirsch an wie der sprichwörtliche "Erste Mensch": sein Anschleichen würde eher in eine Indianerparodie passen, und ein eventueller Sprung fällt dann nur halbherzig und natürlich zu kurz aus. Und ich kenne sonst auch keine Katze, die vor einem Mäuseloch einschläft. Maxl bringt das - er döst dabei nicht nur, sondern schläft oft richtig tief und erschrickt, wenn es in seiner Nähe plötzlich mal ein lautes Geräusch gibt.
Irgendwie wirkt es immer, als würde er überhaupt nur jagen, weil es sich eben für eine Katze gehört, aber nicht, weil ihm irgendetwas daran liegt. Warum auch - schließlich braucht man dem Futternapf nicht erst nachzulaufen, da reicht ein lautstarkes "MIAAUUOOOO..." und es gibt mehr, als an so einer mickrigen Maus dran ist. Auf der anderen Seite scheucht er aber mit Begeisterung Hühner (allerdings nur braune, weiß der Himmel, wieso), da kann er dann auch mal richtig schnell laufen.

Was die sonstige Nahrungsversorgung angeht, ist er allerdings sehr einfallsreich. Mal abgesehen davon, daß er sich in der halben Nachbarschaft durchbettelt (wer kann schon einem kläglichen "Miau" mit 120 dB widerstehen...), beherrscht er auch noch andere Tricks: das Öffnen eines Joghurtbechers bereitet ihm zB keine Probleme. Wenn man nicht aufpaßt, kann er auch blitzartig das Einkaufspaket vom Fleischer zerlegen und den Bierschinken "entsorgen", ohne daß der Rest des Paketes auch nur angebissen würde. Und er hat es schon fertiggebracht, unserem Nachbarn ein frisch geschlachtetes Kaninchen zu entführen, als dieser kurz zum Händewaschen im Haus war...

Unter'm Strich ist unser Dicker ein urgemütliches Katzentier und der ruhende Pol hier - wenn er nicht gerade Hunger hat...